Kennst du das auch, wenn du dir ein wunderschönes Tagebuch oder einen Notizblock kaufst und dir vornimmst jeden Tag zu schreiben, aber bereits nach ein paar Tagen die Lust verlierst und der Block unter vielen anderen Blöcken landet?

Schreiben ist ein kreativer Prozess und sollte nicht zu einer verpflichtenden Routine gemacht werden. In diesem Beitrag möchte ich dir erzählen, warum mir das Schreiben hilft, wie ich dabei Jahr für Jahr herangehe und wie es auch dir helfen kann.

Zum Schreiben brauchst du kein Autor oder Poet zu sein, die Worte sind einzig und allein für dich gedacht. Mir gibt das Schreiben Raum, um meine Gedanken und Gefühle zu verarbeiten, sie zum Ausdruck zu bringen und bestimmte Situationen besser reflektieren zu können. Befrei dich von dem Gedanken perfekt sein zu müssen, dann wirst du es genießen können.

Mit 14 Jahren kaufte ich mir ein Notizbuch mit leeren Seiten, das nicht den Titel „Tagebuch“ trug und löste damit für mich den Druck des täglichen Schreibens auf. Ich beschloss dann in mein Journal zu schreiben, wann auch immer ich ein inneres Verlangen danach verspürte. So habe ich mich auf das Journalschreiben wie auf meine beste Freundin gefreut, der ich nach einiger Zeit unbedingt etwas mitteilen wollte. Ich schrieb alles nieder, was mich erfreute und verarbeitete alles, was mich belastete. Das Schreiben ist wie ein Ventil für mich, um nichts in mir aufzustauen. Es befreit Seele und Verstand. Abgesehen von Gedanken und Gefühlen habe ich auch viele Erinnerungen über Fotos, Postkarten und Eintrittskarten darin festgehalten, wodurch mein Journal ein sehr lebhaftes Werk meines Lebens wurde. Was würdest du wohl gerne alles darin festhalten wollen?

Mich reizte die Idee, die Bücher wie ein altes Archiv zu katalogisieren. So gab es für jedes Jahr ein neues Buch, welches vorne mit der aktuellen Jahreszahl gekennzeichnet wurde – 2007, 2008, 2009 usw. Wenn ich heute die Kiste mit all meinen Büchern öffne und sie lese, kann ich ganz genau meine persönliche Entwicklung nachvollziehen. So ein Lebensarchiv ist etwas sehr schönes und spannendes für einen selbst, probier es für dich aus. 

Doch es gibt noch einen ganz besonderen Vorteil vom Journal schreiben – Das Buch antwortet nicht. Ganz genau, man selbst erzählt und erzählt, bekommt aber nie eine Antwort. Das ist hervorragend! Alles, was man vor sich hat, sind die eigenen Worte und die gilt es noch einmal durchzulesen und zu reflektieren. Hinter den eigenen Worten ist meist eine größere Antwort zu finden. In einem Dialog werden wir über die Aussagen des Gesprächspartners beeinflusst, was uns zu völlig neuen Handlungen führen könnte, die wir selbst eventuell nie in Betracht gezogen hätten. Das kann in manchen Situationen sehr hilfreich sein, doch in den allermeisten ist es keine besonders gute Idee. War der Einfluss positiv und erfolgreich für uns, dann sprechen wir der anderen Person den Erfolg zu und mindern über Aussagen wie „Ohne dich hätte ich das nie geschafft!“ (Doch hättest du in den meisten Fällen schon geschafft!) unseren eigenen Selbstwert. War der Einfluss jedoch negativ, schreiben wir der Person und uns selbst Schuldgefühle zu – „Sie/Er hat mir XY geraten und jetzt hab ich den Salat!“ oder „Warum hab ich nur auf sie/ihn gehört?!“ Ein Buch hingegen befreit dich auf so viele Weisen. 

Die stille Reflexion der Worte ist wie Selbstherapie. Du sprichst über deine Probleme, öffnest dich und lernst an dir selbst. Der Schlüssel dazu heißt – Ehrlichkeit. Das Buch liest niemand außer dir selbst, deshalb belügst du in erster Linie immer dich selbst, wenn du Tatsachen verdrehst. 

Wenn du also einen Weg suchst, um deine vielen Gedanken zur Ruhe zu bringen, deine Gefühle zu ordnen und dir mehr Klarheit wünscht, dann kann ich dir das Journalschreiben sehr ans Herz legen. Schreibe, wann auch immer du dich danach fühlst und reflektiere deine persönliche Situation ehrlich, um die bestmögliche Lösung zu finden. 

Was hältst du gerne in deinem Journal fest und wie unterstützt dich das Schreiben? Hinterlasse mir gerne dein Kommentar unter diesem Beitrag.

Deine Maria